Therapiehund

Arbeit mit Therapiehunden – Wie geht das?

Tie­re sind seit ei­ni­ger Zeit bei vie­len Ar­ten der me­di­zi­ni­schen Be­hand­lung sehr be­liebt. Das be­kann­tes­te Bei­spiel ist das Schwim­men mit Del­fi­nen für au­tis­ti­sche Kin­der. Doch es geht auch weit we­ni­ger exo­tisch: Den Ruf als „bes­ter Freund des Men­schen“ hat der Hund be­reits seit Jahr­hun­der­ten und in der Sprech- und Sprachthe­ra­pie stellt er dies un­ter Be­weis. Be­son­ders bei Kin­dern dient der Hund als ei­ne Art „Ver­mitt­ler“ zwi­schen Kind und Um­ge­bung. Frem­delt das Kind oder ist ein­fach nur schüch­tern, wird es ihm deut­lich leich­ter fal­len, mit ei­nem Hund zu re­den, der sein Ge­sag­tes nicht be­wer­tet. Auch ist das Kind vor Hän­se­lei­en we­gen even­tu­ell vor­han­de­ner Sprach­stö­run­gen si­cher. Kin­der be­grei­fen dies in­stink­tiv und fas­sen auf ei­ne Art Ver­trau­en zu dem Tier, die sich mit kaum ei­ner zwi­schen­mensch­li­chen Be­zie­hung ver­glei­chen lässt. Doch nicht nur Kin­der, auch Er­wach­se­ne bau­en oft ei­ne tie­fe Bin­dung zu Tie­ren auf, die ein Grund­ver­trau­en an­re­gen, das ein­fach zu grö­ße­rem Wohl­be­fin­den führt. Dies hängt nicht di­rekt mit der The­ra­pie zu­sam­men, be­güns­tigt sie je­doch, denn ein Mensch, der sich ge­bor­gen fühlt, ist of­fe­ner und emp­fäng­li­cher für The­ra­pi­en. Hun­de in Sprach- und Sprechthe­ra­pi­en die­nen al­so nicht nur als Brü­cke zwi­schen Pa­ti­en­ten und The­ra­peu­ten, son­dern auch als Freund und Ge­fähr­te.

Was macht der Hund in der logopädischen Therapie?


in der logopädischen Therapie dient der Hund zum

  • Kontaktaufbau als Sprechmotivator
  • Rollenspielteilnehmer
  • Entspannungshilfe
  • Freund, dem man Geheimnisse anvertrauen kann
  • Hilfe zum Aufbau von Selbstwertgefühl


Ziele könnten zum Beispiel sein: 
  • Sprachliche Verbesserungen 
  • Basale Stimulation 
  • Gesteigerte Aufnahmebereitschaft 
  • Verstärkte Konzentrationsfähigkeit 
  • Kommunikationstraining
  • Körpererfahrung/ – kontakte 
  • Ausdrücken von Gefühlen (sprachlich/nichtsprachlich) 
  • Ablenkung/Langeweile vertreiben
  • Psychische Aufhellung der Menschen
  • Gesundheitliche Stabilisierung
  • Sozialpartner, dem man vertrauen kann
  • Schaffung eines lockeren, entspannten Klimas
  • inneren Ruhepunkt / Zufriedenheit / Ausgleich finden 
  • Entspannungsübungen (Hyperaktivität, ADS)
  • Schulung der Psychomotorik
  • Sprachanregung

Der Co-Therapeut Hund

Hun­de wer­den al­so vor al­lem ein­ge­setzt, um die the­ra­peu­ti­sche Ar­beit zu un­ter­stüt­zen, in­dem sie bei­spiels­wei­se Kin­der da­zu an­re­gen, über­haupt erst zu spre­chen. Denn um mit ei­nem Hund Spaß zu ha­ben, ist es un­ab­ding­bar, mit ihm zu re­den und zu spie­len – das ist auch Kin­dern klar. Die ge­wünsch­ten Zie­le der Ar­beit mit The­ra­pie­hun­den kön­nen viel­fäl­tig sein. Be­son­ders zu nen­nen sind das spie­le­ri­sche, dau­er­haf­te Sprech­trai­ning und die da­mit ein­her­ge­hen­de Ver­bes­se­rung der Ar­ti­ku­la­ti­on und die ge­ne­rel­le Ent­span­nung, die oft auch mit ge­stärk­tem Selbst­be­wusst­sein und ge­stei­ger­tem Selbst­wert­ge­fühl ein­her­geht, da der Hund den Pa­ti­en­ten be­din­gungs­los an­nimmt, oh­ne zu ur­tei­len. Hun­de ha­ben ne­ben der blo­ßen prag­ma­ti­schen Hil­fe­stel­lung beim Spre­chen al­so vor al­lem ei­ne vor­teil­haf­te Wir­kung auf die Psy­che des Pa­ti­en­ten. Die ste­ti­ge An­we­sen­heit ei­ner Ver­trau­ens-„Per­son“, die Si­cher­heit, die man in der Ge­gen­wart des Hun­des emp­fin­det und ein­fach die Tat­sa­che, dass man sich auf spie­le­ri­sche Art mit sei­nen Be­schwer­den aus­ein­an­der­set­zen kann, wir­ken Wun­der.

Psy­chi­sche Be­las­tun­gen sind be­son­ders bei Kin­dern oft ur­säch­lich für Sprech-, Sprach- und Schluck­stö­run­gen, so­dass ih­nen al­lein da­durch schon ge­hol­fen ist. Doch auch äl­te­re Pa­ti­en­ten pro­fi­tie­ren von der dau­er­haf­ten An­we­sen­heit des Hun­des, füh­len sich we­ni­ger ein­sam und hilf­los und fas­sen neu­en Mut, die Be­kämp­fung Ih­rer Pro­ble­me an­zu­ge­hen und sich mit Ih­rem Le­ben aus­ein­an­der­zu­set­zen.The­ra­pie­hun­de wer­den auch gern ein­ge­setzt, um ganz ge­ne­rell kör­per­li­che Be­weg­lich­keit an­zu­re­gen und zu ver­bes­sern, auch au­ßer­halb des lo­go­pä­di­schen Fach­ge­biets. Da der Hund Be­we­gung und Ab­wechs­lung braucht, ist der Pa­ti­ent auf­ge­for­dert, mit dem Hund raus­zu­ge­hen. Hier­bei wird nicht nur rein mo­to­risch der Kör­per in Be­we­gung ge­bracht – der Kon­takt zur Na­tur und die Er­for­schung von neu­en Ge­gen­den und Or­ten wir­ken sich po­si­tiv auf die Psy­che des Men­schen aus. Wer krank­heits­be­dingt die meis­te Zeit zu Hau­se ver­bringt, ent­wi­ckelt häu­fig zu­sätz­lich noch psy­chi­sche Pro­ble­me bis hin zur De­pres­si­on. Sich viel an der fri­schen Luft auf­zu­hal­ten, die Son­ne zu ge­nie­ßen und die Na­tur zu er­for­schen kann al­so un­ter­stüt­zend wir­ken. Auch die Ver­pflich­tung, sich um den Hund zu küm­mern, die Not­wen­dig­keit, Din­ge zu tun, für die man selbst viel­leicht ge­ra­de kei­ne Mo­ti­va­ti­on hat, wirkt wah­re Wun­der. Ver­ant­wor­tung für ein Le­be­we­sen zu über­neh­men hilft nicht nur Kin­dern in ih­rer Ent­wick­lung, son­dern auch Er­wach­se­nen da­bei, neu­es Selbst­wert­ge­fühl zu ent­wi­ckeln. Dass man wich­tig für ein Le­be­we­sen ist, lässt ei­nen den ei­ge­nen Wert über­den­ken und stei­gert in vie­len Fäl­len das Selbst­be­wusst­sein. Auch die Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit stei­gert sich bei Pa­ti­en­ten je­den Al­ters. Man soll­te den psy­chi­schen As­pekt bei der Be­hand­lung kör­per­li­cher Sym­pto­me oder Be­schwer­den nie­mals au­ßer Acht las­sen.


Wir von Lo­go­pä­die Sprach­ge­flüs­ter sind aus­ge­bil­de­te, ge­prüf­te The­ra­pie­hun­de­füh­rer und ver­fü­gen über um­fas­sen­de Er­fah­run­gen im Um­gang mit den Tie­ren und den Pa­ti­en­ten. Un­se­re Pra­xis ver­fügt über den Be­suchs­hund Bud­dy. Un­ser The­ra­pie­hund Jay ist lei­der im Sep­tem­ber 2017 ver­stor­ben. Die Hun­de sind selbst­ver­ständ­lich hy­gie­nisch und ge­sund­heit­lich völ­lig un­be­denk­lich und voll­stän­dig ge­impft. The­ra­pie­hun­de brin­gen wir selbst­ver­ständ­lich nur zum Ein­satz, wenn we­der ei­ne Pho­bie oder Aver­si­on noch ei­ne Hun­de­haar­aller­gie vor­liegt.

Besuchshund Buddy

Besuchshund Buddy

Jay

Un­ser leider verstorbener The­ra­pie­hund Jay.